Stellen Sie sich vor: Der Medizin gelingt der unglaubliche Durchbruch und entwickelt eine Möglichkeit zur „Ausrottung“ der Geißel Krebs. Ja, eine Schutzimpfung würde den Ausbruch dieser gefürchteten Erkrankung verhindern. Und dann stellen Sie sich vor: Es gäbe Menschen, die diese Schutzimpfung verweigern. Warum? Nun, weil man prinzipiell gegen Impfungen ist. Oder, weil man darauf schlichtweg vergisst. Oder, weil man sich den ganzen Aufwand nicht antun will…
Das ist unvorstellbar? Nein, ganz und gar nicht. Es ist Realität. Auch wenn es keine Impfung gegen Krebs gibt, so gibt es sie doch gegen andere mitunter tödlich verlaufende Krankheiten. Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen!

Es ist nicht nachvollziehbar, dass man Impfungen verweigert, obgleich sie der effektivste Schutz vor Krankheiten sind.

Ich bin überzeugt: Die wirklichen, quasi militanten Impfverweigerer sind nur in Spurenelementen vorhanden. Die schwächelnde Impfmoral ist also nicht auf diese strikten Impfgegner zurückzuführen, sondern schlichtweg auf die Vergesslichkeit der Menschen. Hand aufs Herz: Wissen Sie, welche und wieviele Impfungen wofür und wann notwendig sind? Wissen Sie, ob Sie heuer, nächstes Jahr, in zehn Jahren eine Auffrischungsimpfung brauchen? – Eben…

Es geht in 99 Prozent nicht um unverbesserliche Sturheit, um nicht zu sagen Dummheit.

Vielmehr geht es einerseits um Vergesslichkeit, andererseits um Bequemlichkeit. Daher ist auch genau da anzusetzen, um die Impfmoral zu erhöhen! Ich sage daher nein zur Impfpflicht und ein doppeltes Ja zu Maßnahmen, die Vergesslichkeit und Bequemlichkeit „bekämpfen“.

Meine konkreten Forderungen sind:

  • Verpflichtende Impfberatung im Mutter-Kind-Pass
  • Impfpass-Kontrollen bei Hausarztbesuchen
  • Noch besser: Elektronischer Impfpass mit regelmäßigen Kontrollen bei allen Arztbesuchen!
  • Aufklärungsoffensive: Von Kindesbeinen an! Eingebunden in „Gesunde
  • Kindergärten“, „Gesunde Schule“ – macht Kärnten seit Jahren!
  • Informationsoffensive mit Plakaten, Inseraten, Werbespots
  • Erinnerungsfunktion: Viele Menschen sind nicht deshalb ungeimpft, weil sie es nicht wollen, sondern weil sie die Auffrischungen schlichtweg vergessen – Kärnten hat daher das Remindersystem eingeführt! Kärntner, die bereits eine Grundimpfung haben und daher im Datensystem gespeichert sind, werden schriftlich an Nachfolge- und Auffrischungsimpfungen erinnert!

Vor allem aber fordere ich einen leichteren Zugang zu Impfungen. Denn wir wissen ja alle: „Die Bequemlichkeit ist ein Hund“. Sogar da, wo es um unsere eigene Gesundheit geht, schleicht sich der „Keine-Lust-Schlendrian“ ein. Daher sollten wir so rasch wie möglich österreichweit folgende Maßnahmen umsetzen:

  • Angebote a la „Langer Abend des Impfens“ oder „Grippeimpfaktion“ verstärken
  • Möglichkeit, dass sich die Menschen auch in der Apotheke impfen lassen: Heute müssen sie den Impfstoff kaufen, womöglich im Kühlschrank lagern und dann damit zum Hausarzt – das sind oftmals zu viele Hürden!
  • Impfen in Schulen forcieren – Stichwort Schulärzte!

Die derzeit offensichtlich so populäre Forderung nach einer Impfpflicht sehe ich nicht nur skeptisch – nein, ich warne sogar davor. Warum? Weil diese Verpflichtung nur mit strengen Sanktionen funktioniert. Und diese Sanktionen würden haarscharf die Falschen treffen – nämlich Kinder von unverbesserlichen Impfgegner-Eltern. In Ungarn etwa hat das Ministerium für Volkswohl bereits 1998 eine Impfpflicht für mehrere Krankheiten eingeführt: Kommen Kinder in Krippen, Kindergärten oder Schulen, sind die Ärzte dazu verpflichtet, den Impfstatus zu kontrollieren und fehlende Impfungen nachzuholen. Weigern sich Eltern, ihr Kind impfen zu lassen, muss der Schularzt dies der Gesundheitsbehörde melden. Und dann kann es zu einem Schulausschluss kommen! So etwas Ähnliches wird derzeit auch in Deutschland diskutiert: Ungeimpfte Kinder sollte ein Kindergarten- oder Schulbesuch verwehrt werden. Ich frage Sie: Was können Kinder dafür, wenn deren Eltern sie nicht impfen lassen? Man bestraft diese Kinder dann doppelt!
Was wäre, wenn Impfmuffel nicht mit „Ausschlüssen“, sondern mit Geldstrafen belegt werden? Ich bin sicher: Militante Impfverweigerer würden die Strafe wegzahlen und sich dennoch nicht impfen lassen. Jene, die „nur“ vergessen haben, sich die nächste Impfung abzuholen, wären „sauer“. Und mit diesem „Sauersein“ wächst die Ablehnung. Wir kennen das aus der Psychologie: Stichwort Trotz…
Und weil ich gerade die Psychologie angesprochen habe: Vor allem die schwächelnde Impfmoral bei Masern und Grippe hat viel mit Psychologie zu tun. Masern wird ja als „Kinderkrankheit“ verharmlost und „Grippe“ als „Verkühlung“ verfälscht. Zweifacher Irrtum! Die „Kinderkrankheit“ Masern meint nicht, dass Masern zum Kindsein dazugehört. Nein, die gefährlich falsche Begrifflichkeit bezieht sich darauf, dass man Masern häufig als Kind bekommt. Manche Kinder sterben daran. Oder tragen schwerste Folgeschäden davon. Wie jenes Kind, das ich während meiner Zeit als Ärztin im Krankenhaus kennengelernt habe: Die Masernerkrankung führte bei dem Mädchen zu einer Gehirnhautentzündung und diese in der Folge zur Taubheit. Das Mädchen, heute eine junge Frau, ist vollkommen taub geblieben…

Sprechen wir also Klartext – auch oder gerade WEIL dieser weh tut und „wachrüttelt“. Und bieten wir der Bevölkerung ein Maßnahmenpaket an. Die Kärntner Sozialdemokraten machen genau das!

Denn die Geheimwaffe gegen Vergesslichkeit und Bequemlichkeit sind nicht Gebote wie Impfpflicht, sondern Service!

Und dafür sorge ich als Gesundheitsreferentin des Landes Kärnten.

Beate Prettner, 10.12.2019

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