Ein starkes Zeichen für Inklusion, Chancengleichheit und berufliche Perspektiven für Menschen mit Behinderung: Im Rahmen eines Betriebsbesuches bei ABC Service & Produktion in Villach überreichte Landesrätin Beate Prettner, Referentin für Chancengleichheit, dem ersten Absolventen der NQR-zertifizierten „ABC-Anlehre“ sein offizielles Abschlusszeugnis mit NQR-Zertifikat. Die Anlehre bei ABC ist die erste Qualifizierungsmaßnahme in Kärnten für junge Menschen mit Behinderung, die in den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) aufgenommen wurde – und gilt damit als Best-Practice-Modell. Das Ziel, das auch im Landesetappenplan für Chancengleichheit verankert ist, lautet: Die Anlehre soll in ganz Kärnten um die NQR-Zertifizierung erweitert werden.
Prettner:
„Die Zertifizierung der Anlehre bei ABC und der erste erfolgreiche Abschluss zeigen: Wir gehen konsequent den Weg weiter, dass junge Menschen mit Behinderung nicht nur eine praxisnahe Ausbildung erhalten, sondern auch eine offiziell anerkannte Qualifikation. Das stärkt nicht nur ihr Selbstwertgefühl – es öffnet auch Türen am ersten Arbeitsmarkt.“
Transparenz bei Kenntnissen
Das Land Kärnten hat den Zertifizierungsprozess angestoßen und unterstützt und Prettner sieht darin einen zukunftsweisenden Ansatz für eine inklusivere Arbeitswelt.
„Mit dieser Maßnahme holen wir junge Menschen mit Behinderung aus der bildungsbezogenen Unsichtbarkeit. Durch die Einordnung im NQR wird klar und transparent, was sie gelernt haben – und was sie können. Damit befinden sie sich mitten im Bildungssystem.“
Dies bestätigen auch ABC-Geschäftsführer Thomas Höbart und Stefan Katholnig, Betriebsleiter und Leiter der Qualifizierungsmaßnahme Anlehre bei ABC:
„Die NQR-Zertifizierung ist eine immense Aufwertung der Anlehre bei ABC, die es bereits seit 40 Jahren gibt. Sie wird auch dabei helfen, Misserfolgserlebnisse der Absolventinnen und Absolventen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu vermeiden.“
Doch auch schon vor der Zertifizierung war die Vermittlungsquote bei ABC mit 80 Prozent im Jahr 2024 überdurchschnittlich hoch, wie Patrick Zupan, Leiter des Anlehrteams, bestätigt.
Mehr Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt
Die „ABC-Anlehre“ richtet sich an Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, Entwicklungsverzögerungen oder anderen Beeinträchtigungen, die keine formale Berufsausbildung absolvieren können. Ziel ist es, ihnen eine arbeitsmarktrelevante Qualifikation zu bieten – praxisnah und anerkannt. Durch die NQR-Zuordnung auf Stufe II ist nun klar ersichtlich, welche Kompetenzen die Teilnehmenden erwerben – ein entscheidender Faktor für Arbeitgeber und weiterführende Bildungseinrichtungen.
Die Vorteile für Absolvierende: eine anerkannte Qualifizierung mit Zeugnis, erhöhte Jobchancen am ersten Arbeitsmarkt, Zugang zu weiteren Ausbildungen (auch in der EU), eine gesteigerte Selbständigkeit und Selbstwert.
Erstes Zertifikat überreicht
In Villach gibt es derzeit 23 „Anlehrlinge“, man rechnet mit fünf bis sieben NQR-zertifizierten Abgängerinnen und Abgängern pro Jahr. Der erste von ihnen ist Sebastian Schmid, der sein Zertifikat im Bereich Industrie von Prettner überreicht bekam. Vier Berufsbilder sind bei ABC nun NQR-zertifiziert: Industrie/Lager, Gartenbau, Hauswirtschaft und Küche.
„Wir sehen täglich, wie viel Potential in jungen Menschen mit Behinderung steckt – und wollen mit der ,ABC-Anlehre‘ eine Brücke bauen zwischen Ausbildung und echter Berufsperspektive“,
so Höbart und Katholnig.
Die „ABC-Anlehre“ wird aktuell exklusiv am Standort Villach angeboten und vom Land Kärnten über einen Tagsatz gefördert.
Betriebserweiterung bei ABC Villach
Im Rahmen des Betriebsbesuchs besichtigte die Landesrätin auch die 2024 abgeschlossene Betriebserweiterung bei ABC am Standort Villach. Aufgrund des Wachstums in allen Bereichen wurde die Produktionshalle erweitert, das Lager um eine Materiallagerhalle ergänzt und maschinelle Erweiterungen durchgeführt.
„Wir haben – ausschließlich aus Eigenmitteln – insgesamt 3,6 Millionen Euro in den Standort Villach investiert“,
berichtet Geschäftsführer Thomas Höbart.
Quelle: LPD Kärnten