In Hermagor wurde gestern, Dienstag (9. Dezember 2025), ein starkes Signal für die Zukunft des ländlichen Raums gesetzt: Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Neue Heimat, vertreten durch die Geschäftsführer Harald Repar und Wolfgang Ruschitzka, und der Sozialhilfeverband Hermagor, namentlich Obfrau Elisabeth Mosser, haben gemeinsam mit Verkäufer Christian Essl den Kaufvertrag für das ehemalige Essl-Gebäude unterzeichnet. Damit wurde offiziell eines der bedeutendsten Wohn- und Sozialprojekte Oberkärntens auf den Weg gebracht: die Revitalisierung des Essl-Gebäudes zu einer modernen, barrierefreien Wohnanlage mit 45 leistbaren Wohneinheiten und umfassender sozialer Infrastruktur.
Der Kaufpreis beträgt 2,3 Millionen Euro, wovon 300.000 Euro vom Sozialhilfeverband Hermagor getragen werden. Das soziale Engagement der Familie Essl wurde im Kaufpreis berücksichtigt – das Gebäude wird künftig als „Essl-Haus des sozialen Miteinanders“ geführt.
45 Wohnungen
Für die modernen und energieeffizienten 45 Wohneinheiten, aufgenommen in das Wohnbauprogramm 2026 bis 2028, stehen die erforderlichen Landesmittel bereit. Wohnbau-Referentin LH-Stv.in Gaby Schaunig betont, dass mit dem Sanierungs- und Nachverdichtungsprojekt „leistbarer, generationenverbindender Wohnraum an einem Standort entsteht, der Wohnen, soziale Angebote und Nahversorgung beispielhaft verbindet“:
„Gerade in Zeiten knapper Wohnressourcen ist das Essl-Haus ein starkes Zeichen gelebter sozialer Verantwortung – ein Vorzeigeprojekt, das das soziale Gefüge stärkt und zeigt, wie moderne Wohnpolitik die Lebensqualität in Städten und Dörfern verbessert.“
Soziale Komponente des Projekts
Das „Essl-Haus des sozialen Miteinanders“ verbindet Wohnen, Pflege, Teilhabe und Inklusion in beispielhafter Weise und setzt konkrete Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm und aus dem Bedarfs- und Entwicklungsplan für Pflege in Kärnten um. Geplant sind 20 Tagesstätten-Plätze für die ältere Generation (die ersten im ganzen Bezirk) sowie durch ein Alltagsmanagement betreute Wohneinheiten (betreubares Wohnen). Außerdem sind acht Wohnverbund-Plätze für Menschen mit Behinderung, vier Einzelwohnungen für selbstbestimmtes Wohnen mit Assistenz sowie die Einrichtung eines Inklusiven Kleinunternehmens (IKU) mit zwölf Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung im Sinne von „Lohn statt Taschengeld“ vorgesehen. Hinzu kommt eine tagesstrukturierende Einrichtung zur psychosozialen Versorgung, die eng an das bestehende Psychiatrische Therapiezentrum (PTZ) Villach angebunden werden soll.
Gesundheits- und Pflege-Landesrätin Beate Prettner unterstreicht die Bedeutung dieses inklusiven Ansatzes:
„Wohnen bedeutet Lebensqualität, Teilhabe und Sicherheit. Mit dem Essl-Haus schaffen wir ein Umfeld, das Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung sowie mit psychosozialen Herausforderungen gleichermaßen unterstützt. Durch die Nähe zu bestehenden Pflege- und Gesundheitsangeboten sowie die barrierefreie Gestaltung ermöglichen wir ein selbstbestimmtes Leben mitten in der Gemeinschaft. Dieses Projekt wird die Versorgung im Bezirk Hermagor auf ein neues Niveau bringen.“
Nachhaltige Ortsentwicklung
Durch Sanierung und Revitalisierung – statt Neubau auf der grünen Wiese – wird ein klares Zeichen für nachhaltige Ortsentwicklung gesetzt. Das Projekt wird neues Leben in den Stadtkern bringen, Leerstand verringern und erhält wertvolle Bausubstanz.
Gemeinde-Referent LR Daniel Fellner dazu:
„Das Essl-Gebäude zeigt beispielhaft, wie durch hochwertige Revitalisierung Ortszentren gestärkt und gleichzeitig moderner Wohnraum geschaffen werden kann. Wir erhalten ein lokales, doch stark in die Jahre gekommenes Wahrzeichen, beleben den Stadtkern und schaffen zukunftsorientierten Wohnraum. Das ist Baukultur, die Gemeinden stärkt und über Kärnten hinaus Vorbildwirkung hat.“
Ressourcen werden geschont
Familie Essl dankt allen Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit. Im ehemaligen Fabriksgebäude für Rucksäcke und Taschen waren früher bis zu 140 Mitarbeitende beschäftigt, zuletzt wurden nur noch Teile davon genutzt.
„Wir freuen uns, dass Landesregierung, Gemeinde, Landeswohnbau und Verwaltung es möglich machen, dass das Gebäude künftig als soziale Einrichtung und für gemeinnützigen Wohnbau genutzt wird und so auch in Zukunft gute Dienste an der Gemeinschaft leisten kann. Die Revitalisierung dieser großen Bestandsfläche ist ein nachhaltiges Vorzeigeprojekt ohne zusätzliche Bodenversiegelung und mit hoher Ressourceneinsparung. Das ist ganz in unserem Sinne als bekannte Marke für Wanderrucksäcke – daher sind wir beim Preis auch gerne entgegengekommen“,
so Christian Essl.
Investition: 15 Millionen Euro
Verantwortlich für die Sanierung des imposanten Gebäudes im eleganten Industriedesign zeichnet die Landeswohnbau Kärnten, Muttergesellschaft der Neuen Heimat.
Geschäftsführer Harald Repar erklärt:
„Mit diesem 15-Millionen-Investment wird die Landeswohnbau Kärnten ihrer strategischen Ausrichtung – nämlich Gebäude nachhaltig zu sanieren und nachzuverdichten, und dies tunlichst im Ortskern – voll gerecht. Dies ist ein weiteres Paradeprojekt der LWBK, das einen Mehrfachnutzen für die Bevölkerung der gesamten Region vorweist und mit erfahrenen und bewährten Partnern – Land Kärnten, Sozialhilfeverband und AVS – umgesetzt wird.“
Zukunftsprojekt für den Bezirk
Auch Elisabeth Mosser dankt allen Beteiligten:
„Der Sozialhilfeverband sowie alle Bürgermeister unserer Gemeinden stehen voll und ganz hinter diesem wichtigen Projekt. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang, weil wir wissen, wie entscheidend dieses Vorhaben für die pflegerische Versorgung in unserem Bezirk ist. Mit dem Projekt schaffen wir nicht nur wichtige Arbeitsplätze, sondern setzen auch ein starkes Zeichen für bedarfsgerechtes Wohnen: Es entsteht ein Wohnbau, bei dem der soziale Zweck klar im Mittelpunkt steht. Dieses Vorhaben zählt zu den bedeutendsten Zukunftsprojekten in unserem Bezirk. Es stärkt die regionale Infrastruktur, verbessert die Lebensqualität unserer Bevölkerung und zeigt, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen – für heute und für kommende Generationen.“
Das „Essl-Haus des sozialen Miteinanders“ soll das Gailtal stärken und ein neues, positives Kapitel für Hermagor aufschlagen.
Quelle: LPD Kärnten