Kärnten baut Prävention, Beratung und Behandlung konsequent aus. Neue Angebote erreichen Menschen frühzeitig von „My Drug Check“ bis „Feiern, aber klar“.
Unmittelbar nach der heutigen Sitzung des Kärntner Suchtbeirates informierten Gesundheitslandesrätin Beate Prettner und Expertinnen aus Suchthilfe, Suchtprävention und -behandlung über aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich. Der Suchtbeirat berät das Land Kärnten fachlich bei der Entwicklung von Strategien im komplexen Themenfeld Sucht. Er setzt sich aus Expertinnen und Experten zusammen, die hauptberuflich mit betroffenen Menschen arbeiten.
„Sucht ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Deshalb sind Vernetzung, fachlicher Austausch und evidenzbasierte Maßnahmen unverzichtbar“,
so die Landesrätin. Im Suchtbeirat wurde bestätigt, dass Kärnten bundesweit eine Vorreiterrolle im Bereich „Harm Reduction“ einnimmt. Ziel dieses Ansatzes ist es, Menschen mit Suchterkrankungen ohne sofortige Abstinenzforderung zu begleiten und Gesundheitsrisiken zu minimieren. Maßnahmen wie Spritzentausch oder „Drug Checking“ – ein entsprechendes Projekt läuft in Kärnten seit einem Jahr – tragen wesentlich zur Prävention von Infektionen und Überdosierungen bei. Auch der präventive Zugang in Kärnten findet Anerkennung. Prettner sagt dazu:
„Wir setzen seit Jahren auf die Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, um Suchtprävention nachhaltig im pädagogischen Arbeitsalltag zu verankern oder riskanten Konsum frühzeitig zu erkennen. Dies ist – und das ist wissenschaftlich fundiert – viel wirksamer als punktuelle Workshops für Kinder und Jugendliche.“
Sucht ist vielfältig
Ein Blick auf die österreichische Suchtstatistik zeigt, dass Sucht vielfältig ist. Nikotin bleibt die häufigste Abhängigkeit (24 Prozent), wobei klassische Zigaretten zurückgehen und E-Zigaretten sowie Nikotinbeutel besonders bei jungen Menschen nach wie vor zunehmen. Rund fünf Prozent der Bevölkerung (rund 30.000 in Kärnten) weisen einen riskanten Alkoholkonsum auf. Etwa ein Prozent ist von Spielsuchterkrankungen betroffen, während problematischer Drogenkonsum mit Opiat-Beteiligung bei rund 0,5 Prozent liegt. Verbesserte Diagnostik und eine offenere gesellschaftliche Haltung führen dazu, dass sich mehr Betroffene in Behandlung begeben.
„Das bedeutet nicht mehr Süchtige, sondern mehr Menschen, die Hilfe annehmen“,
betont die Landesrätin. Die aktuellen Versorgungszahlen verdeutlichen den steigenden Bedarf. So ist die Zahl der betreuten Personen von 4.730 im Jahr 2024 auf 5.084 im Jahr 2025 gestiegen. In der medikamentösen Erhaltungstherapie wurden im Jahr 2025 1.856 Menschen betreut. Dies spiegelt sich im Budget der Kärntner Suchtprävention und -koordination wider. Die Mittel für Suchtprävention und Suchthilfe wurden seit 2018 von 2,9 Millionen Euro auf 7,3 Millionen Euro im Jahr 2026 erhöht und damit weit mehr als verdoppelt. Seit 2025 wurden mehrere neue Maßnahmen gestartet. Das Lebenskompetenzprogramm „Gemeinsam stark werden“ wurde auf den elementaren Bildungsbereich ausgeweitet. Bereits 479 Volksschul-Lehrkräfte sowie 186 Kindergartenpädagoginnen und -Pädagogen sowie Assistenzkräfte haben die entsprechende Fortbildung abgeschlossen.
Weitere Fortbildungen für Pädagog:innen und Lehrlingsausbildner:innen werden für alle Altersgruppe bis 18 Jahren umgesetzt. Parallel dazu wurden die Kapazitäten in den Drogenambulatorien Klagenfurt und Villach um 500 Plätze erhöht. Insgesamt stehen nun 2.320 Behandlungs- und Betreuungsplätze zur Verfügung. Besonders stark nachgefragt ist der neue Jugendschwerpunkt in der Drogenambulanz Klagenfurt, der seit April 2025 besteht. Mit dem Projekt „My Drug Check“ wurde zudem ein niederschwelliges Angebot zur anonymen Substanzanalyse etabliert, das vor gefährlichen Verunreinigungen und Überdosierungen warnt.
Neues Angebot für sichere und verantwortungsvolle Feste
„Feiern, aber klar“ ist ein neues Präventions- und Unterstützungsangebot des Landes Kärnten. Es richtet sich an alle, die Feste organisieren oder daran beteiligt sind, also beispielsweise Schulen, Vereine oder Veranstaltungsgruppen, die keine professionellen Eventagenturen sind. Ziel des Projekts ist es, eine verantwortungsvolle und sichere Festkultur zu fördern. Feiern soll möglich sein und Spaß machen. Gleichzeitig sollen die Risiken durch Alkohol und andere Substanzen reduziert und insbesondere junge Menschen besser geschützt werden. Im Mittelpunkt steht die Idee, eine Balance zwischen Feiern und Sicherheit zu finden: Niemand soll durch übermäßigen Alkoholkonsum oder riskante Situationen zu Schaden kommen, gleichzeitig sollen Begegnung, Gemeinschaft und eine positive Stimmung erhalten bleiben. Das Programm setzt deshalb auf gut zugängliche Unterstützung und praktische Hilfen für die Veranstalterinnen und Veranstalter. 2025 wurden bereits 34 Schulballkomitees in Kärnten erreicht.
Konkret bietet „Feiern, aber klar“ kostenfreie Beratung für Organisationsteams, Unterstützung bei der Planung sicherer Veranstaltungen sowie eine ausleihbare alkoholfreie Bar – die Genieß-BAR –, inklusive finanzieller Unterstützung für alkoholfreie Getränke. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops für Organisationsteams sowie durch einen „Superball“-Guide speziell für Schulbälle mit klaren praktischen Empfehlungen für sichere Abläufe. Zusätzlich gibt es neuerdings auf allen gängigen Apps einen Podcast („Feiern. Aber klar. Der Podcast zwischen Rausch, Festkultur und Verantwortung”), der sich mit Festkultur, Verantwortung und Risikovermeidung beschäftigt und das Thema niedrigschwellig aufbereitet.

